Aussenstehende, Beobachter, Blogger, Jugend der Welt!Ihr alle, die Ihr skeptisch seid, was das Vorhaben von 50.000+ Fussballfans angeht, gemeinsam einen Club zu kaufen und ihn gemeinsam zu führen, Ihr, die Ihr Euch nicht vorstellen könnt, das ein Fussballteam von mehr als einem Manager gelenkt werden kann, Ihr, die Ihr Chaos, Untergang und den Triumph des Wahnsinns über die Vernunft erwartet, die das traurige und definitive Ende eines englischen Fussballclubs erwarten, der in die Hände der MyFootballClub-Community gerät, ja, Ihr alle, lasst Euch sagen: Ich kann Eure grundlegende Skepsis gut verstehen…
Wer die vorangegangenen Postings [insbesondere "Der erste Tag im Club" und "Die Mission"] in diesem Blog gelesen oder zumindest überflogen hat, weiss, das auch ich diesem gesamten Experiment mit einem gewissen Zweifel beigetreten bin…
Dabei wirke ich bestimmt manchmal wie eine alte Meckerziege - oder wie der Statler und Waldorf des MyFootballClub.
Ich bitte das nicht misszuverstehen: Ich liebe die Idee, dass es einen Fussballclub gibt, der von den Fans geleitet wird.
Fussball muss – wenn er lebensfähig sein will – mit seinen Fans interagieren. Davon bin ich überzeugt. Nicht sich von den Fans mehr und mehr entfernen und sie zur puren [beinahe schon lästigen] Geldeinnahmequelle dekradieren…
MyFootballClub ist – neben dem FC United of Manchester [ungleich Manchester United FC] – ein auf seine Weise radikaler, aber möglicher Gegenentwurf.
Mehr allerdings ist MyFootballClub [noch] nicht. Mit Naivität und Blauäugigkeit und Abfeiern der eigentlich ganz tollen Idee wird das Projekt normal letztlich eher scheitern müssen, als erfolgreich zu sein.
"WAS MACHEN WIR HIER EIGENTLICH GERADE?"
Auffällig in diesem Zusammenhang die Entwicklung des MyFootballClub-Member-Forums in der vergangenen Woche: War die Atmosphäre in den ersten Tagen geprägt von einer Überausschüttung von Adrenalin, das in den Beiträgen schiffladungsweise produziert wurde, ist es mittlerweile bedächtiger geworden.
Trotz anhaltender Begeisterung hat sich in den ersten Rauschzustand etwas Reflektion gemischt. Langsam erkennt die Community, das sie – um für einen Fussballclub relevante Entscheidungen treffen zu können – lernen muss.
Leute, was machen wir hier eigentlich gerade? Wieviel verdient eigentlich ein League 2- oder Conference-Spieler, wieviel des Jahresumsatzes darf an Spielergehälter draufgehen? Wie funktioniert dieses ganze Business nun eigentlich wirklich?
MyFootballClub betritt langsam aber sicher die nächste Stufe: Noch keinen Verein gekauft, versuchen Mitglieder die Zusammenhänge im Fussballgeschäft zu begreifen.
In irgendeinem englischsprachigen Zeitungsartikel [ich kann ihn gerade nicht wiederfinden] fragte der Autor: Wenn jeder ein Fussballteam managen kann, warum macht es dann nicht jeder?
Eine dämliche Frage, ja klar, Pustekuchen. Weil es vielleicht nicht genug Clubs gibt?
Was der Autor aber eigentlich sagen wollte, war wohl eher: Eine Gruppe von Web2.0-Hooligans kann nur zu unausgebildet für eine derartige Aufgabe sein, sind doch eh alle immer nur besoffen oder drogenabhängig…
Und in gewisser Weise liegt der Autor auch richtig: Natürlich kann nicht jeder Stammtisch einen Club besser führen, als ein professioneller Teammanager.
Was aber, wenn der Stammtisch auf einmal beginnt, sich ernsthaft und intensiv mit den Details des Tagesgeschäfts auseinanderzusetzen?
Sicherlich sind an so manchem Stammtisch viele Gehirnzellen verloren gegangen, aber wieviele Gehirnzellen besitzt ein erfolgreicher Teammanager, der während seiner aktiven Profifussballer-Karriere tausende ungeheure Kopfbälle ins Tor gerammt hat?
Wir sprechen im Normalfall von keinen Intelligenzbestien, die das big business in den grossen Clubs leiten.
Was wird aber nun, wenn diese Gruppe von Web2.0-Hooligans zum einen die Regeln des Geschäfts erlernt und zeitgleich seine Intuition behält?
Die Weiterentwicklung und Selbstorganisation der Community, das Erstellen von Regeln und eigenen Gesetzmässigkeiten, das Entstehen von Verantwortungsgefühl machen MyFootballClub in diesen Tagen beinahe täglich immer interessanter, vielschichtiger und weniger Schnapsideen-mässig als zu Beginn…
Übrigens: Es ist nicht zu spät, ein Bestandteil dieser Entwicklung zu werden… ein Klick wäre der Einstieg…

